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Montag, 24. März 2014

buchempfehlung

neuer lieblingssatz:
"verfolgte die gesellschaft das ziel, menschen zu bilden und nicht nur unter gesichtspunkten ökonomischer nützlichkeit zu beschulen, wäre es wohl weniger wahrscheinlich, dass sie mit fadenscheinigen begründungen übereinander herfallen und massenhaft leben und unersetzliche kulturgüter vernichten, dringend erforderliche vereinbarungen zum schutz von klima und umwelt vereiteln oder sich sträuben, den export von waffen zu verbieten, die völkermord, verbrechen gegen die menschlichkeit oder kriegsverbrechen ermöglichen könnten."

die ideale von humanismus und aufklärung sind so etwas von out... der verfasser nennt die dinge klar beim namen. darum will ich ihn hier auch in aller deutlichkeit benennen: der oben zitierte satz stammt aus "hybris" von meinhard miegel (u. a. "epochenwende"), einem lesenswerten werk. zu haben unter der isbn 978-3-549-07448-0 überall dort, wo es bücher gibt.
 
 

Freitag, 14. Februar 2014

politikverdrossenheit

das wohl und weh der großen koalition, die sich da "unsere bundesregierung" schimpft, lässt mich momentan erstaunlicherweise kalt.
okay, friedrich ist zurückgetreten, das war zu erwarten. ein anderer wird seinen stuhl einnehmen, seine amtsgeschäfte weiterführen. das leben wird weitergehen. und die untersuchungen zum fall "edathy" vielleicht noch zwei, drei wellen schlagen, dann sind auch sie geschichte.
so ist das nun mal: heute noch skandalös, und morgen schon wieder vergessen.
im internet wird jeden tag irgendeine neue sau durch's globale dorf getrieben...
einen monat später erinnert sich niemand mehr daran.

viel mehr berührt mich der bericht, den in den ich gestern abend per zufall hineingeklickt habe - über die "cage people" in hong kong. leben und schlafen in pumakäfigen, in schlafsälen, die voll sind von solch vergitterten kompartimenten, in denen, dicht gedrängt, gitter an gitter - menschen - existieren. menschen und keine tiere...
"metropolis" lässt grüßen. dieser film hat eine dermaßen beklemmende aktualität - seien es nun unterirdische malocher-ghettos oder eben käfige, die den betreffenden als wohnung dienen: unmenschlich ist es in jedem falle, und gar nicht mal so weit voneinander entfernt.
so viel also zum thema "globalisierung".
derweil regt sich hier die öffentlichkeit über ex-minister friedrich auf.
irgendwie seltsam.
 
  

Samstag, 4. Januar 2014

wahrnehmung 1

während die frischgebildete koalition sich gegenseitig anzickt, mache ich mir meine ganz persönlichen gedanken, woran dieses land wohl krankt... ich habe mal versucht, es in ein paar worte zu fassen:

  • globalisierungs-kollateralschäden und verlust der qualifikations-vielfalt am stellenmarkt, zu deutsch: bald gibt es nur noch 2 kategorien jobs, nämlich dummenjobs und "großkopferte"-positionen (globalisierungsbedingter rationalisierungsdruck bei veraltetem sozialsystem, das führt zu verlust der sicherheit auf arbeitnehmerseite und zunahme der sorte niedriglohn-jobs, von denen man - auch bei vollem einsatz - sein leben nicht fristen kann)
  • regelverlust und werte-verfall: das gesetz des dschungels regiert schon heute und verstärkt die bereits vorhandenen sozialen verwerfungen (das will bislang nur keiner wahr haben - am wenigsten logischerweise die dschungel-fraktion...)
  • "umsonst"-kultur und anspruchsdenken (etliche sind der meinung, nur rechte, aber keinerlei pflichten zu haben - und die sogenannte "gesellschaft" soll alles, aber auch alles gewährleisten. dass wir selbst die gesellschaft sind, wird ignoriert)
  • denken ist luxus (der bildungs-GAU: wer nichts weiss, muss alles glauben - aber trotzdem lässt man lieber andere für sich entscheiden, ist ja auch viel einfacher)

ich wette, davon steht nix im koalitionsvertrag, oder in sonst irgend einem plan für die zukunft unseres landes. aber vermutlich plant ja auch niemand mehr so richtig. wahrscheinlich sind alle ja froh, dass diese riesige maschine, genannt "der deutsche staat", irgendwie noch am laufen ist.
wir gelten immer noch als die musterknaben europas.
die erkenntnis, dass es allein die trägheit der masse sein könnte, die dieses in allen fugen ächzende system noch am leben hält, geht dabei völlig unter...

frage: bin ich jetzt einfach nur besonders pessimistisch?

Freitag, 29. November 2013

wolf jobst siedler ist tot

wolf jobst siedler ist tot.
mit ihm stirbt einer der ganz großen, vielleicht nicht weisen, aber lebensklugen, einer, der durch die dinge hindurchschauen und kristallklar erkennen konnte, was dahinter lag. einer, der sich traute, auf das gesehene, durchschaute hinzuweisen, es auszusprechen, niederzuschreiben, zu kommentieren. einer von den aufrechten, von dessen sorte unser land eigentlich noch viele mehr dringend nötig hätte. auch wenn es in den letzten jahren still um ihn geworden war.
meine welt bröckelt... die "guten" gehen alle, einer nach dem anderen, und was übrig bleibt, oder nachrückt, ist...
na ja, lassen wir das lieber.
 
 

Samstag, 2. November 2013

snowden

auch wenn ich den hype um das kanzler-phone nicht so richtig nachvollziehen kann: hoffentlich kommt der nicht doch noch auf die idee, nach deutschland reisen zu wollen...
selbst wenn ihm der bundestag diplomatische oder wie auch immer geartete immunität zugesteht - der wird doch hops genommen, sobald sich eine gelegenheit bietet - sobald er russischen boden verlässt.
und dass sich da gelegenheiten bieten werden, dafür wird die NSA schon sorgen... ;-)

schwierige kiste: wie kann man seinem land besser dienen - durch konformes verhalten, d. h. stillschweigen, oder durch kompromisslose aufdeckung von misständen?
für uns deutsche hat diese frage eine noch viel intensivere bedeutung.

er hat seinen weg gewählt - hut ab. ich wünsche ihm dafür alles erdenklich gute... denn die überbringer schlechter nachrichten wurden in der geschichte noch immer gerädert und gevierteilt (zumindest im übertragenen sinne), da gibt es kaum ausnahmen.

Mittwoch, 31. Juli 2013

gesellschaftlicher wandel: das leben ist ein dschungelcamp

fortschritt ist gut - doch mit dem wissenschaftlichen hält der gesellschaftliche nicht mit. mehr sogar noch: er scheint sogar den umgekehrten weg zu gehen... seit der revolution der 68er hat sich die gesellschaft kaum mehr weiterentwickelt, höchstens zurück, da ihre ursprünglichen wissensträger – die generationen der letzten kriegskinder (!) – fast verschwunden sind und die nachfolgenden die symbolischen hände einfach still in den schoß legten. was übrig blieb, sind diejenigen, die eine vernünftig gesellschaftliche sozialisierung aus diversen gründen nicht mehr erhalten haben, sei es aus protest oder aus bloßem mangel (dazu zählt auch desinteresse), und diese einstellung natürlich auch weitergeben.

die gesellschaft heute ist fast regelfrei, es gilt in vielen bereichen nur noch das gesetz des dschungels: der stärkere gewinnt und nimmt sich alles, was er/sie braucht. "stärker" sind dabei nicht unbedingt die schlauesten oder diejenigen, die sich gesellschaftlich am weitesten entwickelt haben, oft ist es die schiere masse oder die bloße phyische kraft, die hier die "stärke" ausmacht. und wo selbst absolute basics des täglichen umgangs fehlen, wird eines klar: dass das sogenannte gesellschaftliche bewußtsein sich offenbar verflüchtigt hat.

gesellschaft, das ist heute nur noch das vorhandensein des staatsvolkes in seiner zusammensetzung aus vielen unterschiedlichen menschen. eine geistige pflicht oder aufgabe im ethischen sinne ist damit nicht mehr verbunden, nur noch die monetäre: nämlich zu zahlen für all' diejenigen, die nicht wollen, und natürlich auch für die, die nicht können (letztere werden inzwischen immer mehr). ach ja, und abfalleimer darf sie sein – schuld muss ja schließlich irgendjemand haben, wenn irgendetwas aus dem ruder läuft, und was liegt näher, als diese bei der gesellschaft zu suchen? kindererziehung z. b. ist heute gerne eine der gesellschaft übertragene aufgabe, weil immer mehr der eigentlich verantwortlichen dazu „keinen bock“ haben oder damit einfach überfordert sind (!).

dass eine gesellschaft eigentlich nur von einer mitmach-devise leben kann, von freien, mündigen, verantwortungsvoll handelnden bürgern getragen werden sollte, ist heutzutage, wo man gerne denken lässt anstelle dies selbst zu tun, utopie – oder erinnerung an eine ferne vergangenheit.
  
  

Freitag, 12. Juli 2013

böses spiel

der untersuchungsausschuss, der sich mit der affäre "mollath" befasst, beendet nun seine tätigkeit.
wenn man den beteiligten glauben darf, gibt es keine verschwörung, keine versäumnisse, keine fehlinformationen. sogar die frage, ob die unterbringung mollaths in der "geschlossenen" noch "verhältnismäßig" sei, steht plötzlich wieder im raum.
alles scheint in ordnung zu sein.
ist es das wirklich?

der fall weckt unangenehme erinnerungen an die sache mit den vier hessischen finanzbeamten, die einem "größeren ding" auf der spur waren und durch fixe suspension vom job und - wie sich später herausstellte, nicht koschere psychologische gutachten - aus dem verkehr gezogen wurden. seitdem hat man so gut wie nie mehr etwas von dieser sache gehört.

...verschwörungstheorien?
hier im beschaulich-betulichen deutschland?
vielleicht ist das zu weit hergeholt.
doch was auch immer von den betroffenen personen ermittelt und zur anzeige gebracht wurde, hat offensichtlich einen nerv getroffen, denn anders kann man sich die reaktion der jeweiligen behörden - auf privater ebene (gesundheit, persönlichkeit, integrität) angreifen und durch die ultimative form der diffamierung, dem "psychologischen gutachten", aus dem verkehr ziehen - nicht erklären: das ist sozusagen der "last resort", der letzte strohhalm, die ultimative wahl der mittel, um leute nachhaltig unschädlich zu machen, denn auf psychischer ebene verunglimpfen zieht immer, davon erholt sich der beste ruf nicht mehr.

behandelt man so die "nillebille-fälle", in denen es um heimlich und unrechtmäßig aufgegessene brötchen geht, die von der vorstandssitzung übriggeblieben sind? wohl eher nicht... nein, diese methoden scheinen dem laien eher für leute angebracht, die man langfristig, will beinahe sagen, endgültig, aus der öffentlichkeit verschwinden lassen möchte.

was immer auch wirklich passiert ist - wir wissen es nicht, weil eine sachorientierte, informative berichterstattung in beiden fällen offensichtlich nicht möglich ist, aus was für gründen auch immer...
was jedoch hängenbleibt, ist ein richtig übler nachgeschmack.
die geschilderten fälle sind nicht nur entwürdigend für die betroffenen - nein, es ist auch entwürdigend, dass unser staat anscheinend solche mittel nötig hat.
böses spiel.
armes deutschland.
  
  

Donnerstag, 30. Mai 2013

eklatant provokant, oder "der untergang der europäischen arbeitswelt"

die modularisierung der arbeitswelt hat diese in deutschland nachhaltig verändert - eine folge der globalisierung, oder genauergesagt, der amerikanisierung. Ich nenne dies die "delegationskultur" im gegensatz zur eigentlichem europäischen (oder vielleicht auch spezifisch deutschen?) "verantwortungskultur". mit kultur an sich hat dies allerdings nichts zu tun, ich empfinde es eher als unsitte. denn das scheinbar endlose weiterdelegieren von tätigkeiten mag zwar den einzelnen vordergründig entlasten, führt aber letztendlich zur frustration beim kunden, da in die erledigung eines auftrags einfach zu viele stationen (beteiligte) eingebunden sind, die das abarbeiten stark verzögern, wenn nicht sogar - in unglücklichen "einzelfällen" - in endlosschleifen hineinmanövrieren, wo der kunde dann irgendwann resigniert, weil niemand wirklich für sein anliegen zuständig ist. letztlich ist diese "delegationskultur" auch für die arbeitskräfte in den betreffenden unternehmen unangenehm, denn erfolgserlebnisse in form von abgeschlossenen, also fertig bearbeiteten teilabschnitten gibt es nicht - jeder bearbeitet als völlig unwichtiges mini-rädchen im großen getriebe jeweils immer nur seinen winzigsten teilaspekt, sieht nie die "vollendung" seiner tätigkeit und schon gar nicht seinen anteil am "großen ganzen". und: ob er wirklich gut arbeitet oder nicht, spielt auch keine rolle mehr, da genügend weitere mini-rädchen im getriebe vorhanden sind.

es sind vor allem unternehmen mit amerikanischen muttergesellschaften, oder solche, die stark im lichte der öffentlichkeit stehen oder als besonders modern und effizient gelten wollen, die so "ticken". die arbeitskräfte in diesen modularen jobs sind nicht teuer. Oft werden sie zu großen teilen von zeitarbeitsfirmen gestellt, in abständen ausgetauscht, doch nur selten fest angestellt. die hierarchien sind flacher als bei herkömmlichen" firmen, oft sind bestimmte unternehmensteile wie die buchhaltung ins europäische ausland ausgelagert, was die arbeitsprozesse durch räumliche entfernung und sprachhindernisse (auch wenn diese stets tapfer weggeleugnet werden) zusätzlich verkompliziert. dass der "laden" dennoch läuft, liegt oft am engagement einzelner (die in vielen fällen gar nicht ahnen, dass sich "ihr" unternehmen im gegenzug gar nicht für sie engagiert), meist ist es jedoch die schiere größe der betreffenden firma und damit schlicht die trägheit der masse, die die unternehmen am leben hält: einmal in schwung gebracht, dauert es erstaunlicherweise lange, bis prozesse wirklich zum stillstand kommen - auch wenn die hindernisse für einen reibungslosen ablauf eigentlich groß, die zuständigkeiten zu weitläufig verteilt oder von vorneherein bewusst unklar formuliert sind.

ist es reine koinzidenz, dass sich in solchen firmen - im gegensatz zu den "traditionelleren" unternehmen - höhere anteile von arbeitnehmern mit sogenanntem "migrationshintergrund" finden? vielleicht auch deswegen, weil die "konventionell-deutschen" herkömmlichen arbeitgeber diese als arbeitskräfte erst gar nicht in betracht ziehen würden...? das wäre, neben der kostenersparnis, 'mal ein vorteil der modularisierung und somit gut für europa. doch auch die negativ-effekte der modularisierung scheinen weiterzugehen, peut-à-peut nun auch die anspruchsvolleren  jobs zu ergreifen. "modular" werden in zukunft viele jobs sein - egal, wer der jobinhaber nun ist, woher er kommt und wo er hin will. vor allem die nachwachsenden generationen, die in zukunft auf den arbeitsmarkt drängen, werden eine arbeitskultur der "verantwortlichkeit", in der der arbeitnehmer sich einen "fall" zu eigen machen und bei der abarbeitung dafür auch die verantwortung übernehmen kann, kaum noch kennenlernen... das wird sich, über kurz oder lang, auf alle ebenen der organisation auswirken - wachsen da in deutschland vielleicht zukünftig neue "nieten in nadelstreifen" heran?

und der kunde der zukunft, der wird sich daran gewöhnen müssen, dass er über kurz oder lang bei fast allen unternehmen, mit denen er zu tun bekommt, nach "telekommunikationsstandard" behandelt wird - mit wechselnden ansprechpartnern, die letztlich nicht handeln, sondern nur weiterdelegieren.
alles hat zwei seiten, ganz wie im richtigen leben. die modularisierung spart den unternehmen kosten, ist vielleicht auch billiger für den kunden.
aber ist sie auch besser?
  
  

Montag, 13. Mai 2013

...eklatant provokant, oder: "proll-tv"

heute mal wieder einen disput mit meinem alten herrn gehabt - über fernsehen und gesellschaft. der anlass war, dass ich böse kommentare zu einer rtl-sendung machte, wozu mein vater erklärte, dass ihn diese sendung gar nicht störe, da er sie nicht bemerke.

tja, da hat er gut reden mit seinen 80 jahren - klar muss ihn eine menge nicht mehr wuppen... meiner einer jedoch stört sich immer wieder mal daran, dass ein paar sender (rtl, sat1, pro7) durch die hochstilisierung von proletentum zu kultstatus, wie es bei diesen sendern oftmals üblich ist, konstant zur volksverdummung beitragen (meine meinung). das witzige daran: diejenigen, die solche sendungen ganz klar als "proll-tv" erkennen, sind nicht unbedingt in der mehrheit (tendenz eher sinkend)...

laut meinem alten herrn war das fernsehen schon immer blöd und deswegen harmlos. in meinen augen ist der proll-kult jedoch eher gefährlich: in den 80ern war das bildungsniveau der bundesrepublikanten weitaus höher als heute (das behaupte ich jetzt einfach mal so, weil ich fast tagtäglich erlebe, dass die nachrückenden generationen mit allgemeinwissen oder gar korrektem deutsch [grammatik, aussprache, rechtschreibung] eklatante probleme haben und i.d.r. durch universelles "nö, keine ahnung" glänzen, weil man wissen oder können als po(p)pstar ja nicht braucht), und wo prollig und dumm als "kult" empfunden wird, läuft die menge nicht gefahr, bildungslücken durch lernen abzumildern oder gar zu schließen - ergo: sie bleibt also doof und findet das auch noch cool. das sind dann unsere stars von morgen... oder unsere zukünftigen büroangestellten, handwerker, ingenieure und ärzte? letzteres wohl eher nicht ;-)

klar ist das fernsehen nicht an allem schuld, aber wo die glotze heute die kindererziehung übernimmt, weil die eigentlich erziehungsverantwortlichen keinen bock darauf (weil die selbstentfaltung halt auch viel zeit beansprucht) oder keine zeit dafür (weil die niedrigen löhne vorne und hinten nicht mehr ausreichen) mehr haben, sollte man etwas genauer hinschauen, was da genau über die mattscheibe flimmert und was die kids (und auch die erwachsenen!) sich, dergestalt geprägt und beeinflusst - zum vorbild nehmen. fernsehen spiegelt mit seinen programminhalten nicht nur unsere kultur wider (schauerlich!), es prägt uns auch mehr als man denkt (mehr als wir wahrhaben möchten). und es setzt letztendlich heutzutage auch maßstäbe, weil in unserer westlichen welt kirche und/oder kommune, die früher die position der höchsten "moral-instanz" innehatten, oft so gut wie gar nicht mehr wahrgenommen werden - das tv-programm hat nämlich die lücken, die beide hinterlassen haben, klammheimlich gefüllt (und kaum einer hat's gemerkt)...

sollen wir uns also aufregen über das prollige in unserem fernsehprogramm?
eine kontrolle, oder auch die einrichtung einer ununterbrochenen, von morgens früh bis spät in die nacht anhaltenden staatlich verordneten wissensdauerberieselung - also z. b. zwangsweiterbildung mittels schulfernsehen oder langweiliger bbc-dokumentationen anstelle von krimis oder zeichentrickserien - rettet die gesellschaft auch nicht ;-) abgesehen davon wird sich sowieso nix ändern, solange die besagten sender mit dummbatz-inhalten genügend quote - äh, kohle, machen.
aber ein bischen weniger proll-tv und ein paar mehr sendungen "mit hirn" wäre doch ein guter anfang, oder...?
 
  
 

Sonntag, 5. Mai 2013

scheinheilig

es ist schon erstaunlich, wie wenig resonanz und aufschrei in den medien bezüglich der pädophilen äußerungen daniel cohn-bendits stattfindet. jeder andere wäre für solche texte oder aussagen schon längst multimedial gerädert und gevierteilt worden. cohn-bendit dagegen jedoch nicht - stattdessen ist es merkwürdig still um den sonst so prominenten politiker.
warum?
weil er, per se oder per definitonem, als "grüner" oder "68er-gründervater" eine art mediale immunität genießt?
tja, die netz- und auch die papier-presse waren schon immer politisch...
aber das, leute, ist - mit verlaub - einfach nur scheinheilig.
 
 

Dienstag, 9. April 2013

vom zündeln

erst tanzende mickymäuse, dann kernige atomdrohungen. von kitschig bis brandgefährlich scheint kim jong-un alles ausprobieren zu wollen - auf eine beinahe kindlich-unbekümmerte, aber deshalb um so unheimlichere art und weise, die normalen menschen wie mir schauer über den rücken jagt.

okay, nordkorea ist weit weg, wenn man die sache mal von uns aus betrachtet. andererseits ist die welt heutzutage so verflochten, so miteinander vernetzt, dass andere parteien in entstehende konflikte schnell hineingezogen werden (siehe der patriot-einsatz nahe der syrischen grenze in der türkei). abgesehen davon, dass das argument "woanders" eigentlich nicht mehr zieht: wir sitzen alle im selben boot, in einem geschlossenen system namens "planet erde". wir sind alle menschen, also sind wir schicksalsgenossen.

und noch etwas gibt es zu bedenken: wie viele gegenden auf diesem planeten will die menschheit denn noch radioaktiv verseuchen? hiroshima und nagasaki fallen unter die kategorie "absicht", tschernobyl und fukushima waren unfälle... und ich finde, dass es damit mehr als genug ist. in diesen gegenden kann auf jahrhunderte kein mensch mehr leben; die dort ansässige tierwelt ist entweder tot oder mutiert, nur die pflanzenwelt scheint unbeeinträchtigt (mit betonung auf "scheint").

kim jong-un widerum wird das höchstwahrscheinlich egal sein. er blufft, behaupten viele medien. das kann durchaus wahr sein, aber auch pfeifen im walde, um die eigenen nerven und fernsehzuschauer zu beruhigen. fest steht jedoch: was er da spielt, ist ein brandgefährliches spiel, und wie das ausgeht, weiss keiner. wehe, dass er sich nicht "spielerisch" in eine situation manövriert, in der er nicht mehr anders kann, als "den roten knopf zu drücken"...

wer zündelt, mag einen seltsam befremdlichen "spaß" dabei haben - aber ratz-fatz kann auch nachbars hütte abgefackelt sein. und dann...?
  
  

Sonntag, 31. März 2013

"hannah arendt", versuch einer filmkritik

vorneweg muss ich anmerken, dass ich das buch über den eichmann-prozess gelesen habe, nach ihrem essay über die "banalität des bösen", und dann, weil mich das thema und die denkerin faszinierte, auch die "elemente und ursprünge totaler herrschaft". insofern war ich sehr gespannt auf den film.
zu gespannt vielleicht.

viellleicht ist es die ehrfurcht vor dem stoff, vielleicht auch der versuch, die "arroganz" in den vordergrund zu rücken, die zeitgenossen hannah arendt immer wieder vorwerfen - barbara sukowa bleibt als hauptdarstellerin seltsam hölzern, fast distanziert. eine mit preisen ausgezeichnete schauspielerin, die nach margarethe von trottas ansicht „die einzige schauspielerin ist, bei der sie sich vorstellen konnte, dass sie ihr das zeigen kann: wie jemand denkt“ (zitat: wikipedia.de), flimmert also vor mir über die leinwand, und spontan kommt mir in den sinn: eine brilliante denkerin stelle ich mir irgendwie anders vor. wiederholtes liegen auf dem "lectus lucubratorius" ist da für mich irgendwie nicht aussagekräftig genug.

ich sitze also in diesem film, der vor mir seine handlung entfaltet, und bleibe seltsam unbeteiligt, obwohl ich beteiligt werden möchte, anteil nehmen möchte. ich giere geradezu nach dem versprochenen denkprozess. barbara sukowa greift währenddessen immer wieder zur zigarette, raucht maniriert (ich habe echte süchtige erlebt, mein großvater war so jemand, und wie er beinahe verzweifelt an den glimmstengeln hing, aus ihnen die essenz heraussaugte, das war anders). wie sie agiert und spricht, berührt mich nicht, das schaffen auch nicht die anderen anwesenden deutschen filmgrößen. berührend ist dagegen die musik, die oft einzig und allein die dramatik innerer entwicklungen spürbar macht.
darf ein film über eine großartige denkerin mit einem solch schwierigen thema überhaupt berühren?

gegenüber heidegger spricht hannah arendt davon, dass denken und leidenschaft als zwei völlig voneinander getrennte, gar entgegengesetzte pole aufgefasst werden, so dass die vorstellung eines "leidenschaftlichen denkens" schockierend wäre. aber genau das hat sie in meinen augen getan: leidenschaftlich gedacht. und die welt war schockiert.
ab dem schock fängt der film dann an, sich zu entfalten.

leidenschaftlich wird der film endlich, als barbara sukowa aka arendt ihr flammendes plädoyer für ihren bericht, für ihr buch über den eichmann-prozess hält - dann erst nehme ich ihr das ab, was sie gegenüber heidegger anskizzierte, erst dann wird sie leibhaftig, wahrhaftig, greifbar und fassbar: agnosco vestigia veteris flammae. dann kommt das "unerhörte" 'rüber, das brennende, das brilliante und schockierende. das berührende.

es bleibt trotz der darstellerischen schwächen ein guter film, ein wichtiger film. ein film über ein essentielles thema. ich war zweimal drin, um auch den letzten tropfen ton, den letzten lidschlag bild des dargestellten auszuschöpfen, finde die darstellung nach wie vor schwach, doch ich kann nur jedem empfehlen, sich ihn ebenfalls anzusehen und seine/ihre eigene meinung darüber zu bilden.
  
"hannah arendt" bei imdb: click 
 
  

Montag, 18. März 2013

"unsere mütter, unsere väter"

doch, meine großeltern haben vom krieg erzählt. bei uns herrschte keine sprachlosigkeit, die war für andere themen reserviert.
kriegserlebnisse dagegen gehörten zu den geschichten, die z. b. mein großvater immer wieder mal hervorkramte. für mich, das küken, waren das dann türen zu anderen welten, und bei mancher dieser türen ließ sich auch ein wenig der abgrundtiefe schrecken ahnen, der dahinter lauerte.
 
jetzt also "unsere mütter, unsere väter". vom sender zdf im vorfeld pompös aufgebläht, mit anschließender diskussionsrunde, mit besprechungen und artikeln in der FAZ.

mein vater (baujahr '33) ist der meinung, dass es sich anders angefühlt habe als im fernsehen dargestellt.
ich kann es eigentlich nicht beurteilen - ich war nicht dabei. also kann ich mich nur auf die erzählungen meiner großeltern und meines vaters verlassen, schaue die bilder, denke, dass es gut ist, dass der krieg auch in seiner hässlichkeit dargestellt wird.
 
ich denke an das, was ich von meinen großeltern kenne, während ich vor dem fernseher sitze. denke, dass dies bildsprache von leuten ist, die den krieg nicht erlebt haben, vielleicht zuhause nicht gespürt haben, dass es ihn gab, den krieg, wie er schmeckte, wie er roch, wie er sich anfühlte in der geschichte ihrer familien. den bildern sieht man das ab und zu an - und dennoch sind es bilder, die zum nachdenken einladen.
 
über die authentizität des dargestellten lässt sich streiten... aber es ist gut, dass so etwas gezeigt wird: heutzutage, endlich, kann darüber diskutiert werden, offener als vorher, und ohne sofort in die zwei klassischen kardinalklischees der 80er zu verfallen: entweder kollektives an-die-eigene-brust-schlagen-und-schuldig-das-haupt-senken oder das thema beharrlich totschweigen.

 (teil 3 wird gezeigt am 20.03.2013, 20:15 h, zdf)
  
  

Samstag, 16. März 2013

nein, ich brenne nicht

beim vorstellungsgespräch wurde ich gefragt, "wofür ich brennen würde".
klar, das unternehmen sucht einen mitarbeiter, der sich engagiert, keinen "faulen hund", der gelangweilt aus'm fenster starrt - aber mal ehrlich, solche sprüche sind doch... lassen wir's lieber.

dabei kann ich fast verstehen, dass personaler heutzutage den zwanzigjährigen bewerbern solche fragen stellen - bei der "generation popstar" ist einsatz, also engagement im job, durchaus nicht selbstverständlich.

dann aber wiederum frage ich mich, warum ein personaler, der in den bewerbungsunterlagen doch mein alter sehen kann, der eigentlich abschätzen können müsste, dass ich der jugend schon eine weile entwachsen bin und einer generation entstamme, wo "die welt noch heil" war und den leuten von der pike auf eine arbeitsmoral anerzogen wurde, bei der sich solche fragestellungen von vornherein erübrigen, genau solch eine frage an mich richtet... sehe ich so gut, äh, jung aus - oder ist der personaler da ein wenig.... sagen wir, "ungeübt" im umgang mit leuten wie mir?

manchmal würde ich auf eine solche frage gerne antworten: "wissen sie, ich suche einen job, wo ich in ruhe 'mein ding durchziehen' kann, mit angenehmen und kompetenten kollegen vertrauensvoll zusammenarbeiten kann, denn im gegensatz zur 'generation popstar', die heute für dieses "brennt", aber morgen schon wieder für jenes, nehme ich meinen job ernst, übernehme verantwortung für das, was ich tue, und was ich tue, zeichnet sich durch gewissenhaftigkeit, genauigkeit, hartnäckigkeit, eine ausgeprägte service- bzw. kundenorientierung und vor allem eigeninitiative bzw. selbständigkeit aus. das alles können ihre 'leichtentflammbaren schnellzünder' nämlich nicht."

aber wenn ich das sage, kriege ich den job wohl nie...
 
  

Montag, 11. März 2013

die moralkeule, oder: spießer wider willen?

am samstagabend auf 'ner fete gewesen, wo der großteil der leute aus richtung theologie oder zumindest dem kirchennahen bereich kam.
habe mich prächtig unterhalten (ich atheist, ich!), so gut wie schon lange nicht mehr: endlich mal wieder nette, total entspannte leute, die zumindest ähnlich ticken wie ich - nur die musik war mir zu viel 80er ;-)

in zeiten, wo es mir wichtig wird, mit leuten zu kommunizieren, deren wertvorstellungen mit den meinigen in etwa übereinstimmen (wobei ich normalerweise oft genug enttäuscht werde), stellt sich mir altem atheisten jetzt allerdings die frage, ob ich meine wertvorstellungen in zukunft nur noch in der kirche vorfinde... zu deutsch: werden "meine" werte nur noch in den kirchlichen gemeinschaften vermittelt, klinkt sich die sogenannte gesellschaft (gemeint ist die außerkirchliche) aus der wertediskussion völlig aus?

dass da bei letzterer eine große lücke klafft, stößt ja ab und zu auch mal anderen leuten auf - doch insgesamt scheint das kein gesellschaftliches thema zu sein, der allgemeine aufschrei unterbleibt. das thema scheint peinlich zu sein, ewig-gestrig, verspießert und somit indiskutabel. ich habe den eindruck, dass die "gesellschaft" vor lauter ekel vor regelwerken jedweder art noch nicht mal merkt, dass sie peut-à-peut ihrer werte verlustig geht.
was aber machen dann die leute, bei denen (weil z. b. atheisten) die kirchen bzw. die religionen als solche als moralinstanz nicht mehr in frage kommen? meiner einer z. b. ist ja bereits "fertig", d. h. erwachsen und mit einer wertetechnischen orientierung versehen. doch was ist mit den heranwachsenden generationen, wonach richten die sich?
 
 

Samstag, 15. September 2012

rezension

"wir waren noch einmal davongekommen. erinnerungen" - von wolf jobst siedler


...um es kurz zu machen: ja, dieses buch ist empfehlenswert.
allerdings gibt es doch zwei dinge, die zumindest mich befremdet haben: da ist zum einen der erzähl-ton. wer wolf jobst siedlers präzise, gestochen scharfe formulierungen kennt, die perfekten sprach-bilder, die er entwirft, wird bei dem eher beiläufigen, lockeren plauderton seiner erinnerungen überrascht sein, zumal sich siedler oft wiederholt - öfter, als ich erwartet hätte. und dann ist da das umfeld, das er beschreibt - all' die die berühmtheiten, mit denen er in teils engen kontakt kam. für einen "normalsterblichen" wie mich, der aus der sogenannten bildungsbürgerlichen schicht stammt, ist diese fülle von großkopferten, die da ständig immer wieder aufgezählt werden, irgendwann nicht nur ermüdend, sondern erwecken beinahe auch gedanken an so etwas wie "großmannssucht", wenn man nicht wüsste, dass siedler fern von so etwas war. es waren eben andere zeiten: für die reste des nach dem kriege übrig geblienen großbürgertums war der kontakt zu den politischen, intellektuellen oder auch monetären großen des landes offenbar üblich, für jemanden wie siedler vielleicht sogar normal. einen "nobody" wie mich dagegen befremdet das.
was bleibt, ist ein aussschnitt aus dem bewegten leben eines sprachmächtigen, eines der interessantesten köpfe der literatur- und verlagsszene. siedlers "wider den strich gedacht" z. b. finde ich hervorragend. wie joachim fest steht er in meinen augen für eine vernunft und intelligenz im kritischen umgang mit deutschland und seiner geschichte, die heute leider so gut wie verschwunden ist. und genauso wie bei fest, der im gegensatz zu ihm leider schon nicht mehr lebt, wird vermutlich wohl auch sein "verschwinden" von der breiten masse nicht wirklich wahrgenommen werden: beide sind ausnahmeerscheinungen, jenseits von "brot und spielen" der heutigen massenverblödung.
 
"wir waren noch einmal davongekommen. erinnerungen" von wolf jobst siedler, 2004.
ISBN: 978-3-570-55011-3
   
   

Sonntag, 5. August 2012

kleine bosheiten: "immer fest' druff" oder "definition zum durchschnittsproleten"

joachim fest zitiert in seiner italienischen reise leonardo sciasias bemerkung über den mafioso an sich: "in einer gesellschaft [also der sizilianischen, anm. d. red.], die völlig hilflos der auflösung ihrer werte zusieht, lebt der mafioso in einem kohärenten system, an dem calvin durchaus gefallen finden würde."

spontan kam mir dazu in den sinn - wenn auch auf einen anderen zusammenhang zielend:
in einer gesellschaft, die völlig teilnahmslos der auflösung ihrer werte zusieht, lebt der durchschnittsprolet eingesponnen in seine welt von ansprüchen [auf leistungen besagter gesellschaft, sei es in monetärer oder geistiger hinsicht], die allein aufgrund ihrer vielfalt ein wertesystem bedingen, das er jedoch ablehnt.

damit ist für ihn jede form von teilhabe an der gesellschaft per se schon ad absurdum geführt. eigentlich müsste man formulieren, der durchschnittsprolet sei nicht teil, sondern leidtragender der gesellschaft, was vermutlich seinem selbstverständnis auch sehr nahe kommt: die opferrolle war seit jeher schon immer sehr beliebt.
 
 

euro, euro...

dass selbst die journalisten der renommier-sendung "presseclub" offenbar nicht sicher sind, ob es den euro in 18 monaten noch gibt, klingt ungut. wie lautete doch noch dieser dämliche witz? "der nachfolger des euro heißt fiasko. 1 fiasko hat 100 debakel..."
  
  

Donnerstag, 28. Juni 2012

fragen über fragen...

wenn ich mir heute abend 'ne pizza bestelle (ich liebe pizza, und außerdem bin ich verfressen) - beeinflusst das dann das spielglück oder gar die chancen unserer jungs gegen die squadra azurra? nicht, dass das heute abend daneben geht, und hinterher heisst es dann: "du bist schuld, genau du mit deiner sucht nach den italienischen teigfladen"...
  
  

Freitag, 15. Juni 2012

zur lage der nation

"...'Bildung' kommt von 'Bildschirm' und nicht von 'Buch', sonst hieße es ja 'Buchung'."
(Dieter Hildebrandt)

yep. das merkt man.
   
  
  
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